Dejà Vu
Da, plötzlich taucht ER wieder auf, wie aus einem Nebel großer Nachdenklichkeit, die Sonne blendet mich, und als ich wieder ein wenig erkennen kann, sehe ich ihn, meinen alten Freund Graveyard. Vor sechs Monaten auf den Tag genau ist er gestorben, an seiner Unfähigkeit, sich der menschenverachtenden Gesellschaft anzupassen, er konnte sich nicht mit dem Wachstum arrangieren. “Wiege Dich wie ein Weidenstrauch im Winde”, sprach der alte Weise Laotse. Doch wahrscheinlich meinte er damit eine andere Art von Anpassung als die Menschen zu Graveyards Lebzeiten. Jetzt sitzt Graveyard knapp vor mir auf einer Mauer vis a vis der CominPolis. Sein Haar ist kräftig gewachsen, die Haut ist fahl, so fahl, wie man es von Toten kennt. Wie früher häufig trägt er auch jetzt seine grün-gelbe Weste. Er sieht zu mir herüber, wendet sich nach einem kurzen Blinzeln von mir seitwärts ab. Ein kurzes heftiges Schaudern erfasst mich. Dann geh ich weiter, seine alte, jetzt einsame Mutter besuchen.
2069
Bremen im Jahr Zweitausenddreizehn — ein Mensch, der gelitten hat in seinem Leben, der jetzt noch leidet, nur dass er heute offener ist. Wie alle Menschen bewegt er sich in Raum und Zeit, oder genauer gesagt, in der Großstadt mit den musikalischen Tieren. Er erlebt Kultur erst kaum. Nur allmählich entdeckt er, immer noch verstört, die Bewegung, ein Traum scheint in Erfüllung zu gehen. Doch da ist auch noch was anderes, was ganz und gar Brutales.
zweitausendneunundsechzig (2069)
Im Traum unterwegs in der Stadt, war auf einem Hügel nahe der CominPolis, es stellte sich heraus, dass ich zur Arbeit wollte, Paris und Poe hielten sich in meiner Nähe auf. Poe zeigte Paris ein neues Programm. Ich selbst bemerkte einen Bicall, mit dem ich aufgefordert wurde, in einen alten Communitor das neue Programm einzuspeisen. Plötzlich befand ich mich in einem Bus am Rande der Stadt, fuhr in Richtung Innenstadt, stieg in einiger Entfernung zur CominPolis aus dem Bus. Ein Kampf gegen abschüssige Strassen und hohe Mauern, an denen glatte Leitersprossen befestigt waren, ich trug Handschuhe, schwitzte, weil ich unentwegt gegen das drohende Fallen ankämpfen musste. Die Entfernung zur CominPolis wurde nur scheinbar geringer. Der aus dem Nichts auftauchende Poe versuchte mir zu helfen, er war schneller als ich. Ich schwitzte, wollte irgendwie aus dem Fenster springen und davonfliegen, fliehen, aber da war kein Fenster, nur eine Dose von diesem Demozeugs, das man früher wahrscheinlich eher mit dem Wort Bier bezeichnete. Mir war kalt, mich fror es an Fingern und an den Füßen, die Wangen aber glühten, musste immer weiter, denn mein Ziel war, nein, ist das Programm. Und dieses ist nicht nur das, was wir dafür halten, nämlich eine Software, die von Menschen gemacht, weit gefehlt, das Programm beschreibt das, wofür wir alle gerne auf alles andere verzichten können und es erlaubt uns, in höchster Verrückung Dinge zu sehen, die zugleich niemals zuvor von einem anderen gedacht noch von uns selbst vorgestellt worden, dennoch uns im nächsten Augenblick in die höchste Verzückung bringt. Aber was rede ich: Gibt es denn so etwas?